Nancy Opatz (1997)
Ich war seit dem Abschluss meiner Lehre arbeitslos und langweilte mich schrecklich. In einer Buchhandlung fand ich dann den Flyer des Abendgymnasiums. Vormittags konnte ich nicht zur Schule gehen, da ich ansonsten keinen Job bekommen hätte, welchen ich dringend brauchte. Deswegen fand ich die Alternative in den Abendstunden etwas zu lernen genial. Also bewarb ich mich und fing im Herbst 1992 mit dem Vorkurs an. Zum Anfang war es alles sooooo einfach. Als ich dann mit Beginn der Einführungsphase auch noch gleichzeitig eine Ausbildung anfing, wurde es ganz schön hart. Vormittags Schule, nach Hause rennen und die andere Mappe schnappen, Schalter umlegen und nächste Schule. Trotzdem, meine Einführungsphase und den 1. Ausbildungsabschnitt habe ich gut gemeistert. Meine von mir gewünschten Leistungskurse konnte ich leider nicht belegen, da sich nicht genügend Hörer für einen Französisch Leistungskurs eingetragen hatten. Kann ich eigentlich bis heute nicht verstehen, Französisch ist doch eine wunderschöne Sprache. Also belegte ich Deutsch und Mathe im Leistungskurs. Als dann aber die Abschlussprüfungen meiner Ausbildung vor der Haustür standen, hatte ich kaum noch Zeit für das Abitur. Eigentlich wollte ich damals schon alles hinschmeißen. Es waren meine Kommilitonen, die mir Mut machten, durchzuhalten und nicht alles wegzuschmeißen, was ich bis dahin erreicht hatte. Ich ging dann zu Dr. Tenner, um mit ihm über Alternativen zu reden, da ich mittlerweile mit meinen Noten ziemlich abgesackt war. Unter den gegebenen Umständen erschien es mir aussichtslos, mein Abitur jemals zu schaffen. Dr. Tenner empfahl mir, das Jahr auszusetzen und im nächsten Jahr noch einmal mit der 12. Klasse anzufangen. Dadurch hätte ich die Möglichkeit meine Kurse neu zu wählen und alle bisher geschriebenen Klausuren etc. wären gelöscht. Juhuuuuu !!! Natürlich setzte ich aus, auch wenn sich das Schuljahr schon dem Ende zuneigte. Im nächsten Jahr konnte ich dann endlich meinen geliebten Leistungskurs Französisch belegen und hatte meiner Französischlehrerin, Frau Herzberg, m e i n e Tutorin gefunden. Frau Herzberg war die beste Tutorin aller Zeiten. Nachdem ich dann die Abschlussprüfungen meiner Ausbildung bestanden und auch einen gesicherten Job hatte, konnte ich mich nun voll auf das Abitur konzentrieren. Ich kann mich noch genau erinnern, welches Gefühl ich hatte, als ich meine Matheprüfung vor mir liegen sah. Da war es, das große schwarze Loch. Ich glaube, von den 4 h brauchte ich erst einmal 1 h, um wieder zu mir zu kommen. Dann fingen meine Finger an zu schreiben, schreiben, schreiben.... . Nach den 4 h, als ich vor dem Lehrerzimmer stand, hatte ich einen Nervenzusammenbruch. Ich dachte, das war es, die Matheprüfung hast du vollkommen in den Sand gesetzt. Dr. Tenner beruhigte mich, dass ich es trotzdem schaffen könne, bei guten Vornoten. Gute Vornoten hatte ich, aber leider auch diese verdammte Prüfungsangst. Dann war es soweit. Der Tag der Wahrheit, die Bekanntgabe unserer schriftlichen Prüfungsergebnisse. Es war für mich der schönste Tag meines Lebens. Ich hatte es geschafft. Jetzt nur noch die mündliche Prüfung und dann ist alles vorbei., nach 5 Jahren. Die Zeit nach dem Abitur war zum Anfang ganz schön schlimm. Ich hatte so viel Zeit am Abend. Meinen Job konnte ich nicht aufgeben, da meine finanzielle Existenz davon abhing. Also lebte ich ohne besondere Vorkommnisse weiter, machte meine Arbeit, trat irgendwann einem Sportverein bei usw. . Aber es war abzusehen, dass der Tag X kommen würde, an dem ich wieder anfing zu lernen. So war es dann auch. Mein Job langweilte mich immer mehr und ich begann an der Fernuniversität Hagen mein Studium. Inzwischen bin ich fast am Ende meines Grundstudiums, nur noch ein Semester. Nachdem ich zwei Semester Wirtschaftsmathematik studiert habe, erscheint mir meine Abiturprüfung in Mathe ganz einfach. Heute kann ich mein großes schwarzes Loch nicht mehr verstehen. Wenn ich damals dachte, vielmehr kann man in Mathe nicht lernen, irrte ich gewaltig. Da gibt es noch so vieles. Auch in anderen Fächern, wie Mirko- und Markoökonomie. Wie auch bereits andere feststellten, ist ein Studium viel härter als das Abitur. Das Fernstudium insbesondere, hierbei ist man vollkommen auf sich alleine gestellt und hat keine geselligen Abende mit seinen Kommilitonen und Dozenten. Heute erinnere ich mich gerne an meine Zeit am Abendgymnasium zurück, damals, zu meiner aktiven Zeit war das ganz anders. Für Frau Mietchen, bitte achten Sie nicht so sehr auf meine Kommasetzung. Ich glaube, ich habe es immer noch nicht so richtig gelernt.
Viele Grüße Nancy Opatz (1997