Silke Asselmeyer

Lieber Herr Wilcke,

nachdem ich mich so lange nicht gemeldet habe, und sie waren doch mein Leistungskurslehrer, hier ein kleines Lebenszeichen von mir.

Im Januar diesen Jahres habe ich mich für ein Auslandssemester in England/ Newcastle beworben und wurde für einen befreiten Studienplatz ausgesucht. Ich bin so glücklich, schließlich habe ich mich von 60 Bewerbern durchgesetzt. da blieb doch von unserem Leistungskurs noch ne Menge hängen! Insgesamt gehen von unserer Uni 2 Studis nach Newcastle.

So, und nun geht es nächste Woche Dienstag los. Für 2 Semester werde ich an der Uni in England studieren. und wenn alles gut läuft, kann ich nächstes Jahr dort den Bachelor of International Business Mangagement mitnehmen. Dann geht es hier in Hamburg mit dem Diplom weiter, welches ich 2007 machen möchte. Die Leistungen aus England werden hier in Hamburg anerkannt für mein Diplom.

Es ist seltsam, aber Englisch bzw. England ist für mich = Herr Wilcke.

Ich werde ihnen aus England berichten!

Viele Grüße (noch aus Hamburg)

Silke Asselmeier

 

 

 

Schottland und Lake District

Von Newcastle nördlich nach Edinburgh, dann weiter westlich nach Glasgow, wieder Richtung Norden nach Oban. Oban liegt an der Westküste von Central Scotland, und zum Schluss Richtung Süden zum Lake Distrikt, welcher ebenfalls an der Westküste liegt, allerdings an der englischen Westküste. Ganz wichtig zu unterscheiden, da weder die Schotten noch die Engländer erfreut sind, wenn man Schottland und England zusammenschmeißt.

Schottland, lat.-kelt: Caledonia, umfasst immerhin ein Drittel der Fläche von Großbritannien. Die Vorfahren waren Angelsachsen, Kelten, Skandinavier und Iren. Es wird dort Englisch, Scots, aber auch zum Teil schottisches Gälisch gesprochen. Man versteht alle drei Sprachen nicht. Ein kleines, tiefes Grummeln bedeutet ‚ Danke und auf Wiedersehen’. Das ist auch das Einzige, was man versteht und grummelt selber drauflos, wenn man den Laden verlässt.

Die erste Station war also Edinburgh. Und Edinburgh ist ‚amazing’! Zahlreiche Reiseführer beschreiben Edinburgh als eine der schönsten Städte der Welt und ich denke, sie haben nicht übertrieben. Die Royal Mile und die Burg von Edinburgh sind beeindruckend und sind ein Teil Edinburghs ältester Bauwerke (11.-16. Jahrhundert).

 

Die Burg von Edinburgh wurde auf einem erloschen Vulkan gebaut.

 

 

Die Geburtsstadt u.a. von Arthur Conan Doyle, Alexander Graham Bell und Sean Connery kann sich sehen lassen. Wem wundert es dann, dass in Schottland 1999 ein Regionalparlament zugelassen wurde, welches über innerschottische Angelegenheiten und die Einkommenssteuer entscheiden darf, wo doch Tony Blair in Edinburgh geboren wurde.

Und Edinburgh hat angeblich Joanne K. Rowling für ihren ersten Harry Potter Band inspiriert – Edinburgh is magical.

Trotz allem, scheint Edinburgh etwas verlassen zu sein. So soll angeblich der Hafen, als wichtiger Handelsplatz, immer mehr in den Hintergrund rücken. Man kann große Häuser im Stadtzentrum, die Palästen ähneln, zu Hauf mieten. Oh man, so solche Häuser in Londons City würden sofort einen Mieter finden... nicht aber in Edinburgh - so scheint es.

Weiter Richtung Glasgow wurde uns Glasgows Ruf, als sehr arme Stadt, bestätigt. Angeblich mit der höchsten Kriminalitätsrate in Großbritannien, hört man es munkeln. Glasgow, zur Zeit 580 000 Einwohner, war einst mit eine der reichsten Städte der Welt. Leider sieht man davon nicht mehr sehr viel. Nach dem ersten Weltkrieg litt Glasgow sehr an der Wirtschaftskrise. Und in den 60er Jahren wurden sehr viele Werften, Stahlwerke, Kohleminen und Motorwerke geschlossen, was zur Massenarbeitslosigkeit führte.

Seit den 90ern wird sehr viel Geld in Glasgows Architektur investiert. So erhielt Glasgow 1999 den Architektur- und Designpreis. Wofür (?!) konnte Ich ‚Fast-Food-Tourist’ leider nicht erkennen und die Glasgower mögen es mir verzeihen.

Genug von den Städten und ab in die Natur in Schottlands Southern Uplands.

Man denkt vielleicht, Schottland hat schöne Berge und das ist gut so. Doch da hat man Schottland unterschätzt.

Die Harmonie zwischen den Bergen und den zahlreichen Seen, welche malerisch in den Tälern ruhen, ist einfach umwerfend. Zu schade, dass ich meine Wanderschuhe vergessen habe, schnief, aber ich verspreche, wieder zu kommen!

Schottlands Spezialität sind natürlich die Whiskeybrennereien. Es gibt so viele Brennereien, dass sich eine Wandertour quer durch Schottland und quer durch die Brennereien auf jeden Fall lohnt! Natürlich muss man dann auch gleich Schottlands kulinarische Seite ausprobieren und Haggis essen. Haggis besteht aus dem Magen eines Schafes, der mit Herz, Leber und Lunge gefüllt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ersten Parties und die Einführungswoche in der Uni

Ich gebe zu, es ist etwas merkwürdig, wenn man von der Freundin seines Mitbewohners eingeladen wird, ein Klavier zu zerstören. Das ganze als Event und Party gestaltet, so dass alle auch mächtigst ihren Spaß haben. Nun gut, das lies ich mir nicht entgehen! Der Gastgeber war ein Musikstudent, der umziehen wollte und sein Klavier nicht mitnehmen konnte. Es war schon ziemlich alt und verstimmt und keiner wollte es geschenkt haben, da es so schön nun auch nicht mehr war. Es wurde spanisch gekocht, die Eltern von dem Musikstudenten hatten das Essen vorbereitet, und es wurde in Maßen getrunken.

Das Klavier wurde nicht einfach so zerstört. Nein, wir haben uns ein kleines Abschiedsspiel ausgedacht, indem das Klavier durch das Ave Maria von einer Heiligen gesegnet wurde und dann die Werkzeuge gut ausgesucht wurden, mit dem das Klavier schließlich für immer verstummen sollte.

Zuerst lief alles glatt. Die Klaviatur haben wir entfernt, und zum Teil als Andenken behalten. Dann die ganze Verkleidung auseinandergenommen, doch dann brach eine Diskussion um folgenden Sachverhalt aus: Schließlich kann man nicht einfach den Metallrahmen bzw. die darauf gespannten Saiten durchtrennen, da das ganze Ding gefährlich durch die Wand schießen kann. Nach einer einstündigen Diskussion konnten wir uns darauf einigen, nicht unser Leben aufs Spiel zu setzen und wir stellten das Klavier dann nackt, wie es nun war, in den Garten.

 

 

 

  

In meiner WG läuft alles gut. Unseren ersten gemeinsamen WG Abend haben wir in der Kneipe verbracht. Gute Musik wird dort gespielt. Kunststück, schließlich kann jeder per Computer DJ spielen und die Musikauswahl war nice.

Das Englisch macht mir bis jetzt keine Probleme. Klar, Freizeitenglisch, da kann ja nicht viel schief gehen. Es gab schon ein paar ziemlich komische Missverständnisse. Z.B. plum p und plum b . Ich wollte von meinem Mitbewohner David wissen, was plum p (=dick, fett) heißt. Er erklärte mir daraufhin eine halbe Stunde, was plum b (Rohrleger) bedeutet. Anhand eines Marion Brother Spiels, kam ich letztendlich also auf plumb=Rohrleger. Doch warum heißt es dann „I am happy, because I am plump?“, fragte ich David. Er lachte laut auf und dann hat er gemerkt, dass ich nach plump mit p am Ende fragte und nicht nach dem Rohrleger. Tja und die Übersetzung von plump mit p am Ende hat weniger als eine Sekunde gedauert: „plump means fat.“ (lol).

Oder eine andere Situation. Ich fragte David, ob er Shredded Wheat haben möchte ( Shredded Wheat heisst hier ein Müsli). David hat weed verstanden. Er fragte mich also, ob ich wirklich weed hätte. Ich meinte, ja, eine ganz große Tüte voll. David schon im 7. Himmel, sah eine wahnsinns Kifferkarriere vor sich und meinte: Yes, Yes, Yes!!! Nachdem ich ihm also eine Schüssel Müsli vor die Nase stellte, ist er fast gestorben vor Lachen.

Louis, Johathan und David (v.r)

 

 

 

 

 

 

Die erste Woche in der Uni war sehr entspannend. Dienstag ging es erst los. Die erste Stunde der Einführung hatte ich mit Österreichern, Deutschen, Spaniern, ein paar Franzosen und einer Mexikanerin. Der Prof. Bill Houston, scheint sehr nett zu sein. Es stellte sich raus, dass die meisten Erasmusstudenten im Studentenwohnheim untergebracht sind. Leider, wie sich meine Befürchtung bestätigte, wurden die Deutschen zu den Deutschen, die Spanier zu den Spaniern usw. gesteckt. Auf der einen Seite ist es doof, da man sich die meiste Zeit dann auf Deutsch unterhält, andererseits ist es auch gut, da sie nicht mit den Erstsemestern zusammen sind, die bis morgens ständig Party machen, zumindest die meisten von ihnen.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich in meiner englischen WG bin und habe zusätzlich festgestellt, dass ich weniger Miete zahle, als die Leute im Studentenwohnheim.

Anschließend habe ich die Einführung für die Erasmusstudenten des letzten Studienjahres für den Bachelor of Hons in International Business Management besucht. Es waren ca. 120 Männer und Frauen aus Europa, Südamerika und Asien vertreten. Es wurde uns Newcastle und die Umgebung Newcastles vorgestellt. Ferner wurde uns noch mal gesagt, wann wir uns wo einschreiben müssen. Am Ende wurde ein Skript ausgeteilt. Leider war am Ende nicht mehr für jeden ein Skript da. Als mir der Prof. ein Skript in die Hand gedrückt hat, riss es neben mir ein Mädchen aus Holland sofort aus der Hand und steckte es in ihre Tasche. Ich war sprachlos und noch mehr sprachlos, als ich sie und ihre Freundin auf dem Flur sah, wie sie ein Mädchen vom Gang schuppsten. Leute, das riecht nach Stress. Ich werde Euch weiterhin informieren.

Am Mittwoch hatten wir einen Empfang in der City Hall. Wir wurden vom Bürgermeister aufgeklärt, wie toll Newcastle ist. Vom Dekan, wie toll die Uni ist. Von der Asta ( hier Union), wie toll die Studenten sind. Von der Polizei, wie doof die Diebe sind und dass wir doch bitte unsere Fenster in den Wohnungen schließen sollen. Man bekommt sogar von den Polizeidienststellen umsonst Schwarzlichtstifte. Damit soll man seine Wertsachen beschriften, damit man sie im Falle eines Falles wieder bekommen kann.

Es war eine sehr gute positive Stimmung. Man scheint sich um alles zu kümmern und wird auch über alles aufgeklärt. Und immer wieder die Bitte, dass man doch auch persönlich ins Büro kommen kann, um Fragen zu stellen. Man hat das Gefühl, man ist willkommen. Am Ende des zweistündigen Empfangs wurde ein Film über die Uni gezeigt, ja, hier möchte ich studieren, war mein abschließender Gedanke.

Die erste Woche war also für die Erstis und für die Erasmusstudenten. Ich habe sehr nette Französinnen kennen gelernt, eine Russin und natürlich auch Süddeutsche und Österreicher. Es ist schon komisch, wie sich automatisch Deutsche zu Deutschen usw. gruppieren. Einerseits schön, dann fühlt man sich nicht fremd, andererseits total beknackt, da man schließlich meistens mit den Leuten rumhängt, die man als erstes trifft.

Morgen geht die Uni dann richtig los und ich kann Euch mehr davon berichten.

 

Aller Anfang ist schwer

 

Nachdem die Uni also nun angefangen hat, war es ein Drunter und Drüber. Das Netzwerk der Uni ist zusammengebrochen und somit waren unserer persönlichen Stundenpläne angeblich auch dahin. Wir haben alle einen universalen Stundenplan bekommen, in dem also alle Kurse draufstanden. Keiner wusste, ob er oder sie nun im richtigen Kurs sitzt und die Profs entschuldigten sich andauernd, dass das alles so ein Durcheinander ist. Man kann aber dabei wunderbar die Sprache lernen, da alle aufgeregt miteinander reden, ob er oder sie nun die perfekte Notlösung parat haben. So waren die ersten zwei Wochen mehr vom Glück als vom Verstand geprägt begleitet von wildem Geschnatter aufgeregter Studenten.

Nun habe ich aber meinen persönlichen Stundenplan und der erst wirklich sehr angenehm. Jeden Tag nur 2-4 Stunden Uni, Mittwochs frei J .

Die Profs ermahnen uns ständig, dass Studieren nicht bedeutet, sich etwas vor die Nase setzen zu lassen, sondern dass man selber die Literatur beherrschen sollte. Die Hochrechnung sieht wie folgt aus:

Pro Fach 12 Stunden Vorlesung und 200 Stunden Selbststudium.

Ob man wirklich im Stoff drin steckt, wird wöchentlich durch MC Tests abgefragt. Der MC Test wird vom Fachbuchverlag angeboten, welcher die Ergebnisse an den Profs weiterleitet. Verlag und Prof arbeiten also eng zusammen. So war auch in der ersten Woche in jeder Stunde ein Herr vom Buchverlag da, um uns mit den Internetseiten und dem vernetzten Heimstudium vertraut zu machen.

Der Nachteil ist dabei, dass man die Bücher kaufen muss, da sie mit nur einer bestimmten Zugangsberechtigung verknüpft sind. So musste ich also letzte Woche locker 200 Pfund ( 350 Euro...nein, wir werden das jetzt nicht in DM umrechen L ) für Bücher ausgegeben.

Zu jedem Fach findet ein Seminar statt pro Woche, manchmal auch nur alle zwei Wochen. Ich denken, dass gerade die Hamburger wissen möchten, was denn da so für Fächer angeboten werden:

International Marketing,

International Marketing Research,

International Human Ressource Management,

International Finance (=VWL),

International Strategy,

Dissertation (Bachelorarbeit),

Ihr merkt schon, alles „International“ und so ist es auch.

Die Dissertation muss ich nächstes Jahr im April abgeben. (Mein Thema: Stärken und Schwächen für Investitionen in Osteuropa am Beispiel Volkswagen). Im Januar finden die Prüfungen statt für dieses Semester und dann für das letzte Semester sind die Prüfungen im Juni.

Ich gehe täglich zur Uni und nehme selten den Bus. So gehe ich also jeden Tag durch einen wunderschönen kleinen Park spazieren, der mich ein bisschen an den „Hexenweg“ in St. Andreasberg erinnert. Hier ein paar Bilder.

 

 

 

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Teilweise sehe ich auch manchmal eine kleine dicke Katze, die wirklich fast genauso aussieht wie meine Katze.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Tja, und gestern haben mich ein paar Kinder abgezockt. Sie haben an der Tür geklingelt, ich war alleine zu Hause. Keine Ahnung was sie gesagt haben-aber Kinder sind bestechlich. So verließen sie das Haus friedlich, nachdem ich ihnen Kohle in die Hand drückte.

 

 

 

Viele Grüße Eure

 

Silke