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Abendgymnasium Prenzlauer Berg von Berlin ·  Pasteurstrasse 7 - 11  ·  10407 Berlin   ·   Lageplan  ·     E-Mail
 

Ellen H. Burg (2007)

Thomas Grimm (2004)

Gordon Brinitzer (2003)

Silke Asselmeyer (2003)

Nancy Opatz (1997)

Beatrice Bittniok (1996)

Claudia Hornak (1996)

...ich werde es nie schaffen...


Vier Jahre lang fünf Mal in der Woche abends für jeweils 4 Stunden die Schulbank zu drücken
und am Ende auch noch das Abiturzeugnis in der Hand zu halten. Jedenfalls waren das meine ersten Gedanken, als ich in einem gemütlichen Café im Prenzlauer Berg einen Flyer des Abendgymnasiums Prenzlauer Berg in der Hand hielt...
Dennoch meldete ich mich kurzentschlossen 2 Tage vor Ende des Anmeldetermins an. Ich wollte schon immer das
Abitur nachholen; in meiner Geburtsstadt (ehemals Wilhelm-Pieck-Stadt) Guben hatte es nur leider nicht
geklappt, weil die Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht wurde. Schließlich wollte ich nicht ewig Sekretärin bzw.
Sachbearbeiterin bleiben. Und immerhin lag einem nach dem Mauerfall die Uni-Welt zu Füßen. Man konnte sich das Studienfach selbst auswählen! Man musste nicht die Wahl zwischen NVA-Offizier oder Lehrer treffen!
Gespannt darauf, ob ich über einen so langen Zeitraum meinen inneren Schweinehund besiegen könnte (schließlich
war ich ja zu diesem Zeitpunkt auch noch 40 Stunden in der Woche berufstätig), fing ich an einem warmen August-Abend im Jahr 1992 an, wieder in die Schule zu gehen. Ich habe mich für den einjährigen Vorkurs entschieden, da ich mit Französisch eine neue Sprache erlernen wollte. Die Zeit am Abendgymnasium lässt es leider nicht zu, neben Englisch noch zwei weitere Fremdsprachenfächer zu wählen, sonst hätte ich gleichzeitig mein Russisch erweitert. Zur Einführungsveranstaltung nahm ich wohlwollend wahr, dass es eine schöne alte Schule mit sehr großzügigen Klassenräumen ist. Kindheitserinnerungen wurden wach. Es war alles wie früher, nur dass man in unserem Alter (leider?) keinen Unsinn mehr anstellen konnte.
Oder doch.............?
Ich staunte, wie groß das Interesse am Abitur an diesem Abendgymnasium war - die Anzahl der Hörer pro Klasse betrug immerhin an die 20. Aus den unterschiedlichsten Berufs- und Altersgruppen konnte man hier neue Leute kennen lernen. Der Unterricht machte meistens Spaß (gut, man hat ja schließlich auch schlechte Tage!), jedenfalls mehr als auf der polytechnischen bzw. Realschule, schließlich war man freiwillig hier, und nicht, weil einem die Eltern in den Ohren lagen. Und das Arbeiten mit den Mentoren machte wirklich Laune (vielleicht, weil man als
"volljähriger Schüler" bzw. Hörer endlich als Erwachsener akzeptiert wurde.
Neben dem tollen Unterricht gab es auch einen geselligen Teil am Abendgymnasium Prenzlauer Berg. Er bestand aus Theaterbesuchen, Fahrten durch die ganze Weltgeschichte, Frühlingsfeste, Weihnachtsfeiern.........wobei der Abi-Ball natürlich immer das Tüpfelchen auf dem "i" ist!
In den vier Jahren habe ich viel gelernt (es hat offenbar für das Abitur-Zeugnis gereicht! ;-) - und ich habe vor allen
Dingen viele Denkanstöße erhalten, die dazu führten, dass ich mich für wesentlich mehr Dinge interessierte als vorher (außer für Literatur vor dem Naturalismus, da kann ich einfach nicht raus aus meiner Haut ;-)
Viele werden sich jetzt fragen, wie ich es geschafft habe, die vier langen Jahre durchzustehen und nicht zwischendurch aufzuhören. Ich gebe zu, im Vorkurs war ich meist nicht anwesend (nicht zum Nachahmen empfohlen!) - aber unter Umständen kann man sich je nach Ausbildung auch für das eine oder andere Fach frei geben lassen. Tipp von mir(Mentoren lesen bitte erst ab dem übernächsten Satz weiter): Ab und an einen guten Vortrag halten und den
Mentoren das Gefühl geben, dass ihr Fach das wichtigste von allen auf der ganzen Welt ist - das beeindruckt Mentoren immer! Natürlich muss man gerade vor Klausuren bzw. Prüfungen den inneren Schweinehund besiegen, aber man kann es schaffen!
Gut, ich gebe zu, dass ich manchmal, nur um mein Gewissen zu beruhigen, auch mal die Hefter aufgeschlagen liegen gelassen habe. Eben so, als ob es so aussieht, dass ich gerade was für die Schule tue. Aber man sollte zwischendurch auch leben, dann fällt auch das Lernen nicht so schwer.
Alles in allem ist es eine Erfahrung wert, hat Spaß gemacht und man kann anschließend alles studieren, was man möchte, denn das Abiturzeugnis ist an jeder Hochschule und Universität anerkannt.
Und es ist kostenlos! Ich kann daher nur jedem, der vor hat, das Abitur nachzuholen, das Abendgymnasium am Prenzlauer Berg empfehlen!
Ich wollte nach dem Abitur meinen tollen Job nicht aufgeben und habe daher vor knapp zwei Jahren mit einem Fernstudium der Wirtschaftswissenschaften an der renommierten Fernuniversität in Hagen begonnen. Wie man sieht - ich kann's einfach nicht lassen mit dem "Nebenher-Studieren".............

Ich wünsche allen Hörern, Abiturienten und natürlich auch allen Mentoren, die am Abendgymnasium Prenzlauer Berg für die Hörer des zweiten Bildungsweges da sind, alles Gute für die Zukunft!

Freundlichst,
Claudia Hornak (Abi-Jahrgang 1996)

 

Nancy Opatz