Als ich die Anfrage bekam, ich solle doch bitte ein Feedback über meine Zeit am Abendgymnasium schreiben, dachte ich, es würde total leicht werden. Ich schrieb einfach drauf los. In meiner ersten Version war es ein Monolog mit mir selbst, wie ich Tag täglich mit mir gehadert habe – vom Vorkurs 2021 bis zur Abiturzeit 2025. Jedoch sollte der Text ja eine fremde Person animieren, auch das Abitur nachzuholen. Ich verwarf die Idee schnell.
Mit 16 Jahren und einem Realschulabschluss in der Tasche, war ich damals glücklich und dachte: „Juhu, nie wieder Schule!“. In diesem Moment lachte das Schicksal im Hintergrund. Dieses Lachen begleitete mich fast 2 Jahrzehnte. Nach einer Vollzeit-schulischen Ausbildung, mehreren Abschlüssen und einer Anstellung im öffentlichen Dienst, merkte ich leider sehr schnell, dass ich an die Grenzen der Aufstiegsmöglichkeiten kam. Ohne einen Hochschul-Abschluss würde es für mich entweder sehr schwer oder extrem lange dauern, jemals berufsmäßig aufzusteigen.
Auch mein Kopf wollte mehr. Ich war wissenshungrig und allein würde ich es nicht schaffen. Also sprach ich mit meiner Familie und so kam es, dass ich mit 33 Jahren nochmal die Schulbank gedrückt habe.
Ich gebe zu, es war teils eine sehr schwere Zeit… zwischen Corona; einem Vollzeit-Job mit einem Wecker, der halb fünf klingelte; Todesfällen in der Familie; einer Hochzeitsplanung; einem pubertierenden Teenager zuhause, welcher selber keine Lust auf Schule hatte und Freunden, welche ihre Freizeit genossen… und doch war es die beste Entscheidung meines Lebens!
Mit 37 hatte ich mein Abiturzeugnis in der Hand und eine extrem stolze Familie, die mir die ganze Zeit den Rücken gestärkt hat. Nun studiere ich in meinem Wunschfach, welches mich auf Arbeit neue Chancen nutzen lässt. Ich bin der Schulbehörde und vor allem allen Lehrern an dieser Schule so dankbar für diese Möglichkeit. Ich werde diesen Weg jedem empfehlen, der auch weiterkommen und über sich hinauswachsen möchte!
Mit dankbaren Grüßen Katharina Schaban – Jahrgang 2025



